Geschichte des Karate-Do

 

Chinesische Wurzeln

Karate-Do, der Weg der leeren Hand, geht als Kampfkunst zurück auf eine mehr als zweitausendjährige Tradition fernöstlicher Kampfformen, deren Wurzeln in China liegen. Nach der Legende gelangten durch den indischen Mönch Bodhidharma wichtige Impulse von Indien nach China, als dieser sich nach langjähriger Wanderung durch den Himalaya und durch verschiedene chinesische Provinzen im Jahre 523 nach Christi im Shaolinkloster niederließ. Dort lehrte er eine aus dem Buddhismus abgeleitete Philosophie der Selbstbetrachtung, den Zen-Buddhismus. Da die Mönche des Klosters jedoch in schlechter körperlicher Verfassung waren, fehlte Ihnen zum Teil Kraft und Konzentration, um den Meditationsunterweisungen des indischen Gelehrten zu folgen. Aus diesem Grund verband Bodhidharma die Meditationspraktiken mit verschiedenen körperertüchtigenden Übungen und Atemtechniken. Diesen Bewegungen zur Stärkung von Körper und Geist wurden nach und nach Techniken der Selbstverteidigung hinzugefügt, die nicht selten auf intensiven Tierbeobachtungen basierten. So entstand die chinesische Kampfkunst des Quanfa (Shaolin Kung Fu), die alle weiteren in China entstehenden Stile beeinflusste.

Weiterentwicklung in Okinawa

Die sich in China im Laufe der Jahrhunderte herausbildende Kampfkunst verbreitete sich von dort nach Okinawa, einer zwischen den japanischen Hauptinseln und dem chinesischen Festland gelegenen Insel. Okinawa und China pflegten seit dem Mittelalter rege Handelsbeziehungen, auch der Austausch von Gesandten und Studierenden spielte eine wichtige Rolle. Auf diesem Weg gelangte das chinesische Quanfa nach Okinawa und traf dort auf das seit langem bestehende Selbstverteidigungssystem Te, das es in der Folgezeit nachhaltig beeinflussen sollte. Dadurch entstand ein neues Kampfsystem, das man zunächst Tôde und später Okinawa-Te nannte. Die Entwicklung dieser Kampftechniken auf Okinawa wurde durch das Verbot des Privatbesitzes von Waffen 1477 im Königreich Ryûkyû intensiviert, das auch mit der japanischen Okkupation des Ryûkyû-Archipels ab 1609 durch den Satsuma-Clan aufrechterhalten wurde. Die Okinawaner leisteten Widerstand gegen die japanische Fremdherrschaft, wo sie nur konnten – immer wieder überfielen gerade im Okinawa-Te Geübte die japanischen Samurai.

Einige einheimische Meister bemühten sich darum, von Grund auf die inneren Geheimnisse der chinesischen Kunst zu lernen und gingen zu auf Okinawa anwesenden chinesischen Meistern „in die Lehre“, oder reisten nach China. Dieses alle  war mit großen Schwierigkeiten verbunden, da aufgrund der starken Repression auf Okinawa nur in kleinen Zirkeln unter äußerster Geheimhaltung geübt werden konnte.

Es dauerte viele Jahre, bis das Okinawa-Te vom rein körperlichen Kampfsystem zur Kampfkunst heranreifte, erst ungefähr ab 1850 war es den chinesischen Systemen an inhaltlichen Werten ebenbürtig. Herausgebildet hatten sich drei Richtungen, die man nach den Orten auf Okinawa benannte, in denen sie hauptsächlich ausgeübt wurden: Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te.

Ankunft in Japan

1868 wurde in Japan im Rahmen der Mejii-Restauration der Stand der Samurai offiziell aufgehoben und Okinawa im Jahr 1871 an Japan angegliedert. Die Kampfkunst musste nun auf der Insel nicht mehr im Geheimen praktiziert werden, 1905 wurde das Okinawa-Te sogar offizieller Unterrichtsbestandteil an den Schulen Okinawas. Damit wurde die Technik erstmals nicht mehr individuell vom Meister zum Schüler weitergegeben, sondern in größerer Gruppe unterrichtet. Diese Tendenz setzte sich fort, als die Kampfkunst ab 1920 von okinawanischen Meistern auch auf den japanischen Hauptinseln verbreitet  und in Karate-Do, umbenannt wurde.

Seit den sechziger Jahren gibt es Karate-Do auch in Deutschland.