Goju-Ryu Karate Do

 

 

Ab 1920 wurde die okinawanische Kampfkunst auf den japanischen Hauptinseln verbreitet, es entwickelten sich verschiedene Karatestile. Wir trainieren Goju-Ryu, was soviel bedeutet wie „hart“ –  „weich“ Stil. Ein harter Angriff wird weich abgewehrt (bzw. weiter geleitet), um dann selbst (hart) zu kontern.

 

Anfänge auf Okinawa

Den Grundstein des Systems legte Higashionna Kanryô (1853-1916), der in China mehrere Stile des quanfa studierte. Als Higashionna 1887 aus China nach Okinawa zurückkehrte, erweiterte er den einheimischen Kampfstil Tôde um das in China Gelernte. Er unterrichtete zunächst in Naha, was dazu führte, dass sein Übungsstil in der Öffentlichkeit als Naha-Te bezeichnet wurde (Technik/Hand aus Naha). Sein Stil gehört zum Shôrei Ryu und wies starke Charakteristiken der südlichen chinesischen Schulen auf. Er bestand aus einer Kombination von weichen und kraftvollen Bewegungen und beinhaltete Arbeit mit „innerer Energie“, dem Qi (Ki). Von wesentlicher Bedeutung waren Prinzipien der Kata Sanchin und des Kranichstils aus Fukien. Als einer der ersten Lehrer auf Okinawa hatte Higashionna nicht nur einzelne Privatschüler, sondern unterrichtete auch in kleinen Gruppen.
Einer seiner wichtigsten Schüler war Miyagi Chôjun (1888-1953), den Higashionna jedoch nicht zu seinem Nachfolger machte. Nach dem Tod des Meisters reiste Miyagi nach China in die Provinz Fukien, um dort sein Kampfkunststudium zu vertiefen. Dadurch brachte er neue Aspekte in den Stil ein, insbesondere entwickelte er aus den Rokukishu (6 Handformen des Shaolin Quan) die Kata Tensho. Nach dem Namen seiner Kampfkunst befragt, erinnerte sich Chôjun Miyagi an einen Satz aus dem Bubishi (einer alten Kampfkunstschrift): „Alles im Universum atmet hart und weich“, so war der Name Goju-Ryu (hart-weich-Stil) geboren.

Gründung des japanischen Goju-Ryu

1929 gab Miyagi in Japan eine Demonstration seiner Kampfkunst, die einen derartigen Anklang fand, dass er vorerst auf den japanischen Hauptinseln blieb, um dort zu unterrichten. Goju-Ryu wurde 1933 formell in die Listen des Butokukai in Japan eingetragen, kurz darauf entstand die Begrifflichkeit des Karate-Do (Weg der leeren Hand). Die Ausformung des Stiles Goju-Ryu war jedoch erst 1940 vollständig abgeschlossen, nachdem Miyagi die bereits 1914 von ihm entwickelten Katas Gekisai-dai-ichi und Gekisai-dai-ni als Übungsformen für AnfängerInnen in das System integrierte. Miyagi unterrichtete sowohl in Japan, als auch in Okinawa, wodurch die wesentlichen Schulen des Goju-Ryu entstanden. Sein wichtigster Schüler in Japan war Yamaguchi Gôgen.

Gründung des Goju-Kai

Yamaguchi Gôgen (1909-1989) wurde 1932 Schüler von Miyagi, nachdem er zuvor neben Judo und Kendô bei anderen Meistern Karate gelernt hatte. Zwischen 1935 und 1937 begleitete er seinen Lehrer nach Okinawa, woraufhin Miyagi ihn zu seinem Repräsentanten für Japan ernannte. Yamaguchi gründete eine eigene Organisation, „Karate-Do Goju-kai“. Mit der Zeit veränderten sich Unterrichtsstil und Inhalte, der Unterricht fand überwiegend in großen Gruppen statt und Karate hielt Einzug in die Universitäten. Aus dem Judo wurden weiße Anzüge und das Gurtsystem übernommen und die SchülerInnen lernten nicht mehr nur wenige, nach ihren Talenten ausgesuchte Katas, sondern nacheinander alle im Stil vorhandenen Formen. Gôgen Yamaguchi, auch genannt „die Katze“, wird heute als der offizielle Nachfolger Miyagis in Japan betrachtet, obwohl es dort inzwischen verschiedene Goju-Ryu Strömungen gibt. Yamaguchi hatte fünf Kinder, die alle Karateunterricht von ihm erhielten. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Gosen Nachfolger und Präsident des Goju-Kai Verbandes. Gosen Yamaguchi (1940-1990) beschäftigte sich intensiv mit den chinesischen Wurzeln des Stiles, insbesondere mit den Ursprüngen nach Higashionna Kanryu. Auch er gab Unterricht, einer seiner wichtigsten Schüler war Toshio Koda. Leider verstarb Gosen Yamaguchi bereits ein Jahr nach seinem Vater. Nach seinem Tod übernahm der jüngste, in Japan lebende Sohn, Goshi Yamaguchi, die Leitung des Verbandes.

Goju-Ryu in Deutschland: Was trainieren wir?

In Deutschland werden verschiedene Goju-Ryu-Stile praktiziert. Wir trainieren Goju-Kai, was 1969 durch Toshio Koda nach Deutschland kam, als dieser vom japanischen Karateverband entsandt wurde, um hier Karate zu verbreiten. Koda blieb seinen Wurzeln treu und pflegte den von Gosen Yamaguchi erlernten Stil. Wir sind Mitglied im Deutschen Karateverband (DKV) und dort im stiloffenen Karate (SOK) sowie in der Goju-Ryu-Sektion (GKD).